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thoughts

Daniel Amin Zaman – selbst zur Hälfte indischer Herkunft – verbindet und konfrontiert in seinem Arbeiten, auf philosophischer, formaler und praktischer Ebene, östliche und westliche Denktraditionen, Ost und West und überführt sie in eine inter-/transdisziplinäre, künstlerische Praxis als Ritual. In diesem „Finden im Finden“ seiner seriellen Arbeiten und Installationen als…
Zum Schaffen von Daniel Amin Zaman – Das inhaltliche wie formal zentrale Grundelement und Mittel seines künstlerischen Arbeitens bildet für Daniel Amin Zaman die Wiederholung. Sie formt gleichsam den Kern seiner künstlerisch-kunstforschenden Praxis als Ritual, als Leerformel und als Strategie einer gezielten Inflationierung, die gleichermaßen ihn selbst wie seine Werke…
Eröffnungsrede der mit Mag. Christiane Reiter kuratierten Ausstellung, Kunstverein sehsaal, 2025
Gimme Shelter. Gib mir Schutz. Gib mir einen Unterschlupf. In dem für den Ausstellungstitel entlehnten Song der Rolling Stones heißt es unter anderem „war is just a shot away“ — Krieg ist nur ein Schuss entfernt — oder „a storm is threatening my very life today“ — ein Sturm bedroht heute unmittelbar mein Leben. Textzeilen aus dem Jahr 1969, die traurigerweise aktueller…
Eröffnungsrede von Mag. Veronika Rudorfer, Freie Kuratorin und Kunstkritikerin, Berlin zur Einzelausstellung SONGS HOW I SEE – Kunstverein sehsaal, Wien, 7.5.2025
Daniel Amin Zamans künstlerische Praxis ist geprägt von einer philosophisch-reflexiven Haltung, welche Dualismen, ein hergebrachtes „westliches“ Verständnis von (künstlerischer) Subjektivität und konventionelle Formen von Bedeutungsproduktion hinter sich lässt und in komplexen repetitiven Operationen Kunst/Kunstwerk und Ritual/Relikt ineins fallen lässt. In Überwindung von…
Die Welt ist Lärm. Und ich suche die Stille. „In seinem Kunstschaffen verbindet Daniel Amin Zaman, selbst zur Hälfte indischer Abstammung, die jahrtausendealten indisch-philosophischen Spekulationen der Upanishaden, des Vedanta, mit „dem Westlichen“ und seinem Kunstschaffen. Für den Künstler persönlich bedeutet diese Verbindung eine intime Ganzwerdung seiner lange…
__Die gleichmütige Wiederholung und Versenkung der Meditation ist kein Suchen; da man nur etwas suchen kann, das noch nicht ist. Sie ist ein Finden, da man nur finden kann, was schon ist. Ebenso wenig entspringt sie einer Haltung, die zu finden sucht. Sie ist ein Finden im Finden.
__Ich will mich hineinverlieren aus dem Lärm der Welt und des Lebens in die Stille und Bedeutungstiefe einer allem innewohnenden, einer uns vorgeordneten, von uns unabhängigen und von uns unberührten Substanz. Die aus sich nichts bedarf, um zu sein und nicht erst das Produkt unserer Projektionen und Wünsche ist. Die sich vor-begrifflich, vor-bildlich, ohne Namen, Attribute…
Beim Schaffen von Daniel Amin Zaman handelt es sich um eine ununterscheidbare künstlerische wie kultische Praxis. Seine Methode ist dabei die rituelle Wiederholung als „Leerformel“ zur Durchdringung der „Welt“ zugunsten einer – im Sinne Spinozas – substanziellen, dem betrachtenden Subjekt vorgeordneten Bedeutungsdimension. Zentrale Begriffe sind folgerichtig für ihn die…
__ Selbst zur Hälfte indischer Abstammung, ist es insbesondere auch eine Einhausung in meine eigene kulturelle Identität, aus den Upanishaden* als Quelle zu schöpfen, in meinem Arbeiten deren Grundlagen zu folgen und mit den Mitteln der Wiederholung als rituelle Leerformel in persönlicher wie semiotischer Hinsicht auf sie zu referieren. Ganz in deren Sinne verschmelzen dabei…
__ Rituale beschreiben formalisierte, symbolische Wiederholungsstrukturenmit vielschichtigen sozialen, psychologischen, existenziellen und kultischen Bedeutungen und Funktionen. Sie schaffen Ordnung und Orientierung, ermöglichen eine „Einhausung in die Welt“* und „verwandeln das In-der-Welt-sein in ein Zu-Hause-sein“* inmitten unserer Geworfenheit. * Byung-Chul Han IN: Vom…
__ Die (rituelle) Wiederholung (von formalisierten Vollzügen) zielt auf die Zwischentöne, oder besser: auf die Pausen zwischen den Tönen (resp. Vollzügen) ab. Auf jenes „Zwischen- den Zeilen“, das sich seiner Fassbarkeit entzieht und von ihr dennoch versucht wird, repetitiv fassbar, plastisch und erlebbar werden zu lassen.
__ Wiederholungen sind gleichsam Versuche, immer wieder in Worte zu fassen, worüber man nicht sprechen kann, die aber gerade dadurch aus sich sprechen.
__ Die Leerformel der rituellen Wiederholung ist ein Weg der Ent-täuschung in seinem eigentlichen Wortsinn. Denn wenn wir erkennen, dass das, was wir für gewöhnlich zu erkennen oder mit Namen, Begriffen, Zeichen und Bilder in vollem Ausmaß beschrieben glauben, letztlich das Produkt unserer Projektionen ist, erkennen wir auch, dass wir uns täuschen, wenn wir es für wahr halten…
__ Die Wiederholung ist eine „Leerformel“. So wie ein Fluss seinen Namen und seine Form verliert, wenn er schließlich eins wird mit dem Meer.
__ Die Wiederholung ist ein Gelingen im Scheitern, ein Gewinnen im Verlust und die Fülle der Leere.
__ Die Wiederholung schafft Bedeutung, indem sie die profane Bedeutung des einzelnen Vollzugs und Ausdrucks in Repetition auflöst.
__ Die Wiederholung lenkt „den Blick“ auf die Beständigkeit inmitten der Unbeständigkeit. So wie nach Heraklits panta rhei niemand in den selben Fluss zu steigen vermag, unterscheidet sich jeder (rituelle) Vollzug formal und zeitlich im Fluss des unaufhörlichen Vergehens – und das trotzdem oder gerade, weil sie den Fluss durch ihre Ähnlichkeit zum Stillstand zu bringen…
__ Erst die Wiederholung verleiht der Welt und dem Leben einen geheimen Rhythmus und eine Struktur der Tiefe, indem sie die Wahrnehmung auf eine irreduzible, von uns unabhängig vorgeordnete und in ihrem Sein substanzielle Wahrheit lenkt, die in ihrer Immanenz omnipräsent ist. Eine Allgegenwärtigkeit, die sich in ihrer Allgegenwärtigkeit verbirgt.
__ Zwei oder unendlich viele Dinge, selbst, wenn sie perfekt reproduziert oder gar geloopt sind, unterscheiden sich in ihrer Zeitlichkeit. Sie mögen in ihrem Ablauf gleich anmuten, nie aber ein Selbes sein. Nicht augenscheinliche Unterschiede schaffen eine Tiefendimension der Differenz. Substanzielle Differenz wächst mit der Ähnlichkeit.
__ Wiederholung ist ein Mantra, das keinem Zweck oder Wunsch folgt, sondern ausschließlich seinem repetitiven „Ausgesprochen-Werden“.
__ Wiederholung schafft Stille. Eine laute und bedeutungsvolle Stille.
__ In und durch die Wiederholung transzendieren sich profane Handlungen und greifen in ihrer Funktion und Bedeutung über sich hinaus.
__ Kultisch-rituelle Wiederholungen suchen, egal in welcher Form, den Verlust des Selbst als „epistemologische Bedingung und Bedingtheit“ und eine Versenkung, ein Versinken in die Geborgenheit einer vom Subjekt unabhängigen, unverfälschten und vorgeordneten Dimension.
__ Das Unbeschreibbare kann man nicht beschreiben, aber man kann davon erzählen und es plastisch werden lassn. Insofern ist die Wiederholung ein Narrativ, eine Um-Schreibung und keine Be-Schreibung.
Katalogtext des Autors und Wissenschaftlers Thomas Raab IN: Zamanismus / Zamanism / Zamanisme, Verlag Bibliothek der Provinz, ISBN 978-3-99028-799-6
Über Daniel Amin Zamans so anti-essentialistische wie psychoaktive Kunst (Thomas Raab) Das Höchste, das sich solcherart erkennen lässt, ist die Selbst-Erkenntnis im Sinne der Erkenntnis, dass das suchende Selbst die Verschleierung dessen ist, was es zu finden hoffte. – Daniel Amin Zaman Where is the art? Im Jahr 2000 lernte ich bei einem Seminar im nordindischen…
MMag. Dr. Johannes Rauchenberger, Kultum, Graz
Daniel Amin Zamans „Zamanismus“: Eine „Heilslehre“ als Existenzform.
 (MMag. Dr. Johannes Rauchenberger) Leicht, ironisch und ernst, mit einer geschliffen schönen Sprache, die sich aber selbst in ihrer pathetisch erscheinenden Bedeutung dennoch aufzulösen scheint: Daniel Amin Zaman ist ein Meister der Aufhebung von Gegensätzen. Am Kultischen von jeher interessiert macht…